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Übeltäter Stress – so toxisch ist er für euren Darm!

Wir rennen von Termin zu Termin, die To-Do-Listen werden immer länger, die Pausen immer kürzer. Selbst in unserer Freizeit haben viele von uns einen vollen Terminkalender – schließlich müssen wir ja beweisen, dass unser Leben nicht langweilig ist und wir immer wieder Neues erleben.

Wir stressen uns selbst und lassen uns stressen.

Somit stehen viele von uns unter Dauerstress.

Dass Stress schlecht für unsere Gesundheit und unser Wohlempfinden ist, ist mittlerweile jedem klar. Aber welche Auswirkungen hat Stress explizit auf unseren Darm?

Im folgenden Beitrag zeige ich euch, welche Auswirkungen Stress auf unsere Darmgesundheit hat.

Zuerst sollten wir allerdings die Frage klären, was Stress genau ist.

Was genau ist Stress?

Von Stress ist die Rede, wenn ein Individuum mit Ereignissen konfrontiert wird, die es belasten und sein subjektives, körperliches oder seelisches Wohlempfinden beeinträchtigen.

Ausgelöst wird Stress durch äußere Reize, auch Stressoren genannt.

Solche Stressoren begegnen uns leider überall im Alltag: in unserer Umwelt, im Privatleben und vor allem am Arbeitsplatz.

Um mal ein paar typische Stressoren zu nennen:

  • Überforderung und Zeitdruck
  • Versagen in Leistungssituationen
  • Arbeit unter künstlichen Bedingungen (kein Tageslicht, Klimaanlage)
  • eine bevorstehende Prüfung
  • finanzielle Belastungen
  • zwischenmenschliche Konflikte
  • Lärm
  • Menschendichte

..und viele mehr.

Na, wie vielen seid ihr täglich ausgesetzt?

Selbst die Informationsflut durch die Medien ist ein Stressor.

Wie ihr seht, wir sind von Stressoren umgeben. Sie befinden sie sich überall und wir sind fast nirgendwo vor ihnen sicher.

Doch welche Auswirkungen hat Stress auf unseren Körper?

Sobald wir gestresst sind, wappnet sich unser Körper und macht sich kampfbereit.

Wieso? Die Antwort darauf finden wir wie so oft in der Evolution. Früher war es für unser Überleben entscheidend, bei Gefahr und somit Stress in Alarmbereitschaft zu sein.

Dabei laufen in unserem Körper komplexe Vorgänge ab:

Unser Gehirn nimmt eine Gefahrensituation wahr und steuert zum einen über unser vegetatives Nervensystem – besser gesagt dem Sympathikus – die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin in der Nebenniere. Zum anderen produziert unser Hypothalamus mitunter ein Hormon mit dem schönen Namen Corticotropin-Releasing Hormon, kurz CRH. Dieses Hormon sorgt für die Ausschüttung von Adrenocorticotropin, das über das Blut auch zur Nebenniere gelangt und dort die Ausschüttung von Cortisol bewirkt. Dieses dürfte den meisten von euch bekannt sein – eines unserer Stresshormonen.

Alle Hormone zusammen steigern Puls und Atem, die Leber produziert mehr Blutzucker, die Muskeln werden besser durchblutet und unsere Leistungsfähigkeit steigt insgesamt. 

Wir fühlen uns zum Kampf bereit .. oder zur Flucht.

Auswirkungen von Dauerstress auf unseren Körper

Heutzutage sind wir jedoch nicht nur einem kurzzeitigen, sondern einem Dauerstress ausgesetzt. Wir sind ständig in Alarmbereitschaft.

Dies beginnt morgens mit dem Blick aufs Handy – und endet damit. Ja selbst das Arbeiten mit nervigen Kollegen setzt uns unter Stress.

Euch ist sicherlich bekannt, dass unser dauerhafter Stress gravierende Auswirkungen auf unseren Körper und unsere Gesundheit hat. 

Ich möchte nur einige davon nennen:

  • Bluthochdruck, Herzbeschwerden
  • Migräne, Kopfschmerzen
  • Akne, Rötungen, Schuppenflechte
  • Asthma
  • Menstruationsbeschwerden
  • ein geschwächtes Immunsystem
  • Burnout-Syndrom
  • Angst, Wut und Niedergeschlagenheit
  • Schlafstörungen

Aber vor allem hat Stress auch einen großen Einfluss auf unseren Darm – und keine positiven, wie ihr euch denken könnt.

Welche Auswirkungen hat Stress auf unseren Darm?

Gehen wir noch einmal zurück zu den Reaktionen des Körpers bei Stress. Wie bereits erwähnt, steigern die ausgeschütteten Hormone u.a. Atem, Puls und unsere Leistungsfähigkeit. Unsere Leber produziert mehr Blutzucker. Unser Körper zieht alle Register und jegliche verfügbare Energie heran, um die Stresssituation zu meistern und kampfbereit zu sein.

Alle anderen Prozesse im Körper, die nicht der Energiebereitstellung und Leistungssteigerung dienen, sondern selbst noch viel Energie benötigen, werden eingestellt.

Und ratet mal, welche Vorgänge im Körper extrem viel Energie kosten?

Genau, unser Verdauungssystem, das damit beschäftigt ist, unser Schnitzel mit Pommes zu verdauen.

Unser Verdauungssystem wird durch den Parasympathikus – also dem Gegenspieler des Sympathikus – gefördert und in Stresssituationen überlässt dieser dem Sympathikus das Feld. Die Folge:

1. Der Körper unterbricht unsere Verdauung nahezu komplett.

Das doofe daran? Schnitzel und Pommes werden entweder direkt aus dem Darm entlassen – auch bekannt als „Angstschiss“ und Durchfall, was gerade auch bei manchen in Prüfungssituationen der Fall ist.

Oder unser Nahrungsbrei verbleibt an Ort und Stelle, die Nährstoffe werden nicht weiter resorbiert. 

Ist die Gefahrensituation schnell wieder vorbei, ist das gar kein Problem und die Verdauung wird wieder in Schwung gebracht.

Anders sieht dies allerdings bei langfristigem und dauerhaftem Stress aus. 

Die Verdauung wird nicht in Schwung gebracht, es werden keine Nährstoffe aufgenommen und der Nahrungsbrei beginnt an Ort und Stelle zu gären. Mögliche Folgen sind Blähungen und Verstopfungen.

2. Die Darmflora wird gestört.

Stress hat aber auch eine Auswirkung auf unsere Bakterien im Darm, bekannt als unsere Darmflora. Die Bakterien sind genauso empfindlich gegen Stress und mögen es gar nicht ihm dauerhaft ausgesetzt zu sein.

Durch die vermehrte Freisetzung der Stresshormone ändert sich die Zusammensetzung der Bakterien im Darm – allerdings nicht zu unseren Gunsten. 

Die Anzahl der „guten“ Milchsäurebakterien, alias Lactobazillen und Bifidobakterien, wird verringert und der pH-Wert des Darmmilieus verschiebt sich, sodass den „unerwünschten“ Bakterien im Darm ein besserer Lebensraum geschaffen wird.

Diese Dysbalance ist dafür verantwortlich, dass unsere Nahrung nicht richtig verdaut werden kann, was zu Verstopfung, Blähungen, Durchfall und generell Verdauungsproblemen führt.

3. Leaky Gut Syndrom.

Durch Stress geht auch eine Veränderung der Darmschleimhaut einher. Sie wird „löchrig“ und somit durchlässig für Stoffe, die normalerweise nicht den Darm verlassen sollten, wie z.B. Giftstoffe und Bakterien.

Diese können zu Entzündungen führen und chronischen Krankheiten, wie Migräne, Arthritis, chronische Müdigkeit und Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorrufen.

Wie ihr seht, hat Stress einen enormen Einfluss auf unseren Darm und somit auch auf unsere Stimmung, unsere Emotionen und unser Immunsystem, das zu 80% in unserem Darm sitzt.

Stress vorzubeugen sollte daher Priorität Nummer 1 sein.

Da dies aber häufig nicht möglich ist, solltet ihr euer Augenmerk auf Stressmanagement und Stressbewältigung legen.

Im Folgenden habe ich euch ein paar Tipps zusammengefasst, wie ihr Stress abbauen und entgegenwirken könnt.

Tipps gegen Stress:

  • Atemtechniken
  • Meditation und Yoga
  • Sport
  • Digital Detox
  • Perfektionismus hinterfragen
  • Ausreichend Schlaf
  • Bewegung an der frischen Luft
  • Gute Planung und gutes Zeitmanagement
  • Lachen und Optimismus
  • (Entspannungs-) Musik

Desweitern empfehle ich eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, sowie prä- und probiotischen Lebensmitteln, um euren Darm bestmöglich zu unterstützen. Welche das sind, habe ich in meinem Beitrag zu Darmproblemen geklärt.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Stress im Alltag gemacht? Welche Auswirkungen zeigen sich bei euch? Lasst es uns wissen.

Love & happy relaxing,

Lisa.

Quellen:

  • Die Darm-Hirn-Connection – Gregor Hassler, 2020, 1. Auflage, Schattauer
  • Darm mit Charme – Giulia Enders, 2017, 12. Auflage, Ullstein Hardcover
  • Schlau mit Darm. Glücklich und vital durch ein gesundes Darmhirn  – Michaela Axt- Gadermann, 2016, 3. Auflage, Südwest Verlag
  • Umweltbelastung, Dysbiose und Schleimhautimmunität, Claus-Hermann Bückendorf, 2016, umwelt·medizin·gesellschaft, 28, S. 14-18

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