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Problemzone Kopf – endlich mit den Vergleichen aufhören

„Ich kann die Jeans nicht anziehen, darin sehen meine Beine so dick aus!“

Diesen Satz haben schon etliche Frauen mit Konfektionsgröße 36 ausgesprochen. Dabei sehen sie alles andere als dick aus. Sie sind schlank, gesund und schön. Aber sie haben einfach eine verzerrte Selbstwahrnehmung. Sie sehen Problemzonen, wo gar keine sind. Dies zeigt mal wieder, dass es egal ist, welche Größe, welches Gewicht oder wie viel Cellulite man hat. Die meisten sind mit 80 kg genauso unzufrieden wie mit 70 kg.

Aber unser Problem ist nicht unser Körper – solange dies nicht unsere körperliche Gesundheit beeinträchtigt, wohl bemerkt. Unser Körper gibt tagtäglich sein Bestes und wir sollten dankbar sein, dass er so viel Nachsicht mit uns hat, so wie wir ihn teilweise behandeln.

Unsere wirkliche Problemzone ist unser Kopf. Daran sollten wir arbeiten.

Wieso denken wir immer, dass wir perfekt sein müssen? Dass wir weniger wert sind als andere mit einem schlanken Körper?

Was läuft in unseren Köpfen falsch? Warum werten wir uns so ab? Um das einmal kurz klarzustellen, dies ist vermutlich bei mindestens 90% der Frauen (vielleicht auch Männern) der Fall.

Wer hat festgelegt, ab welcher Figur oder ab welchem Gewicht man glücklich sein darf? Wer hat den Standard Size Zero festgelegt? Wer hat behauptet, dass man nur mit vollem Haar seinen Traumpartner findet?

Ihr werdet jetzt antworten: die Gesellschaft. Die Gesellschaft hat es uns immer wieder aufs Neue eingetrichtert: So musst du sein, um glücklich und erfolgreich zu sein und um Anerkennung und Ansehen zu erreichen. Klingt logisch, oder?

Aber das ist falsch – wir waren das, ganz allein. Denn wir haben diese absurden „Wertvorstellungen“ übernommen. Wir haben es hingenommen und nicht hinterfragt.

Jetzt sind unsere Gedanken so sehr darauf fokussiert, diesen Wertvorstellungen – Hausbesitzer sein, schlank sein, gut bezahlter Job – zu entsprechen, dass alles andere ausgefallen ist und für Kritik sorgt.

Was sind eure Standards?

Wenn man die Menschen fragt: Was sind deine Ziele und Träume? So ist bei 99% die Antwort: Ich hätte gern einen gut bezahlten Job, ein Eigenheim, eine Familie. Blablabla.

Wie langweilig ist eigentlich diese Antwort? Ich habe gedacht wir sind Individuen und einzigartig? Warum geben wir uns dann mit einer Standardantwort zufrieden?

Weil sie von der Gesellschaft als Standard und erstrebenswert angesehen wird und somit auch von uns. Also arbeiten wir darauf hin. Wir nehmen einen Job an, der nicht unserer Leidenschaft entspricht, quälen uns im Fitnessstudio, obwohl wir es hassen.

Und wir scheitern. Sei es, weil wir unseren Job verlieren oder weil wir eine Heißhungerattacke bekommen und die Diät abbrechen. Wir fühlen uns als Versager.

Und warum? Weil wir nicht dem Standard entsprechen und diesen nicht erreicht haben. Wir vergleichen uns mit anderen Menschen, die den besseren Job oder die bessere Figur haben und fühlen uns schlecht.

Allerdings sind wir selbst schuld. Denn den Standard hat nicht die Gesellschaft festgelegt, sondern wir in unseren Köpfen.

Was sind eure Prioritäten?

Wir messen uns mit anderen Menschen, die weit andere Prioritäten im Leben gesetzt haben als wir. Oder wolltet ihr euch mit 20 Jahren beim Bachelor anmelden, um „bekannt“ zu werden?

Wolltet ihr 60 Stunden + die Woche arbeiten, um die Karriereleiter ganz nach oben zu erklimmen?

Seid ihr auf 30 Dates gegangen, bis ihr euren Partner kennengelernt habt?

Nein vermutlich nicht. Aber von nichts kommt nichts, wie es so schön heißt.

Deswegen ist es nicht wichtig zu fragen: was wünscht ihr euch und was sind eure Ziele? Sondern vielmehr: Was seid ihr bereit zu geben, um eure Ziele zu erreichen?

Seid ihr bereit, eure Freizeit und Freunde für ein paar Jahre hinter euren Job zu stellen? Seid ihr bereit, mehrmals die Woche zu trainieren und auf eure Ernährung zu achten, um einen Sixpack zu haben?

Es macht überhaupt keinen Sinn sich mit anderen Menschen zu vergleichen, weil man (meist) nicht die gleichen Ambitionen hat.

Warum Vergleiche so unglücklich machen!

Was passiert, wenn wir uns vergleichen und vor allem warum fühlen wir uns aber immer so schlecht, wenn wir uns mit „erfolgreichen“ Menschen vergleichen?

Grund hierfür ist unser Gehirn-Belohnungssystem. Das Belohnungssystem gehört zum limbischen System. Dieses limbische System wird immer dann aktiviert, wenn es von außen einen Reiz empfängt. Bei vielen kann dies ein Stück Schokolade sein. Dadurch wird ein Verlangen danach generiert. Wird dem Verlangen nachgegeben und man isst diese Schokolade, so wird der Neurotransmitter Dopamin freigesetzt und dadurch das Hirnareal stimuliert, in welchem unser Belohnungssystem sitzt. Dieses Hirnareal sendet nun weitere Botenstoffe aus, die das Hochgefühl aus Freude und Zufriedenheit auslösen.

Wichtig ist, dass nicht die Schokolade selbst der Auslöser für die Glücksgefühle ist. Die Freude wird allein durch die Erwartung, dass das Verlangen nach der Schokolade gestillt wird, ausgelöst. Es geht um die Erwartung, was Freude bereiten könnte.

Was hat das Belohnungssystem mit Vergleichen zu tun?

Stellt euch vor, ihr habt bisher immer 10 € die Stunde verdient, und ihr bekommt einen Job angeboten, bei welchem der Stundenlohn bei 12 € liegt. In eurem Gehirn wird dies als hoher Belohnungswert angesehen, schließlich verdient ihr mehr als vorher. Also freut ihr euch.

Anders sieht es aus, wenn euch ein Job mit einem Stundenlohn von 8 € angeboten wird. Euer Gehirn sieht dies nicht als Belohnung an. Ihr werdet unzufrieden und seid enttäuscht.

Es kommt also ganz darauf an, mit was man es in Relation setzt und vergleicht.

Hättet ihr vorher 5 € die Stunde verdient, wäre selbst das Jobangebot mit 8 € pro Stunde ein hoher Belohnungswert gewesen und ihr hättet Freude empfunden.

Ob man Freude und Zufriedenheit oder Frust und Enttäuschung empfindet, hängt also immer davon ab was der eigene Standard ist.

Vergleicht man sich nur mit Menschen, die im Job erfolgreicher sind als man selbst, fühlt man sich gleich viel erfolgloser und minderwertig. Solche Aufwärtsvergleiche führen meist zu Frust und Enttäuschung.

Das gleiche Spiel geht auch in die andere Richtung. Beim sogenannten Abwärtsvergleich vergleicht man sich mit Menschen, die es im Moment schwer haben. Wohnt jemand in einer kleinen, eher schäbigen Wohnung, ist verschuldet oder hat gerade seinen Job verloren, so sehen wir, dass es uns vielleicht doch nicht ganz so schlecht geht, wie wir im Moment gerade dachten. 

Wir sind froh, dass wir ein Haus und ein festes Einkommen haben. Deswegen empfindet man bei solchen Vergleichen – neben Mitleid – vor allem Freude und hoffentlich auch Dankbarkeit. Uns geht es dabei gut, auch wenn sich das jetzt egoistisch anhört.

Aber was lernen wir daraus?

Wir denken, dass wir hässlicher, dicker, dümmer, weniger erfolgreich sind, weil wir uns mit Standards vergleichen, die unrealistisch sind.

Wir suchen uns immer die Kriterien raus, die uns gerade interessieren. Sehen wir einen durchtrainierten Körper, wollen wir diesen auch und sind frustriert, dass wir es bisher nicht so weit gepackt haben. Aber, dass der Sportler eventuell sozial inkompetent ist und seit Jahren nur oberflächliche Beziehungen führt, ignorieren wir gekonnt.

Wir können aufhören unsere Zeit zu verschwenden.

Anstatt uns auf andere zu fokussieren und darauf, was wir alles nicht haben, sollten wir vielmehr Dankbarkeit empfinden, dass wir einen Körper haben, der es uns ermöglicht täglich zu leben. Wir sollten aufhören uns zu vergleichen und dankbar sein, dass wir es so weit geschafft haben. Denn nur, wenn wir unser alltägliches Dasein, unsere Mitmenschen und unseren Besitz wertschätzen, werden wir auf Dauer glücklich sein.

Dies ist ein langer Prozess, an dem wir aber dringend arbeiten sollten. Nicht an unseren oberflächlichen „Problemzonen“.

Also wenn ihr das nächste Mal dabei erwischt, wie ihr euch mit anderen Menschen vergleicht, versucht an das Gesamtpaket zu denken. Was findet ihr an dieser Person bewundernswert? Den sehr gut bezahlten Job?! Seid ihr bereit, das gleiche dafür aufzugeben wie diese Person? Einen Teil eurer Freizeit, eurer Hobbys vielleicht sogar eure Familie?

Fragt euch, welche Nachteile mit diesem „tollen“ Job einhergehen. Oder welche Eigenschaften hat diese Person, die nicht so toll sind? Ist sie vielleicht egoistisch und nicht so empathisch wie ihr?

Ihr denkt vielleicht es gibt viele Gründe unglücklich zu sein. Aber in Wahrheit gibt es mehr Gründe glücklich zu sein. Ihr allein seid dafür verantwortlich, was ihr empfindet! Ihr könnt die positive, dankbare Gefühlswelt wählen – schließlich habt ihr alles was ihr zum Leben braucht wie Gesundheit, Familie, Freunde, Geld und viele Chancen – oder in Selbstmitleid und Unzufriedenheit versinken. Ihr habt die Wahl eure Gedanken zu beeinflussen.

Denkt darüber nach.

Love and embrace your body,

Lisa.

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